Wie konnte ich nur einem Menschen, den ich nicht kenne, so viel von mir erzählen? Wie konnte er mir nur so viel von sich erzählen?
Wie kommts, dass ich mich nicht jedes Mal, wenn ich ihn sehe, nackt fühle? Woher das Vertrauen?

7.6.11 21:58, kommentieren

Schwarztee & Schokokuchen

Freitagnacht um drei bekomme ich eine Einladung zum Tee. Ich bin erstmal baff, sage aber sofort zu.
Dass ich bis Samstagmorgen um halb acht auf diesem Sofa sitzen würde, habe ich da noch nicht geahnt. Und das Gefühl, in diesen vier Stunden einen Bekannten zu einem Freund gemacht zu haben, hatte ich auch nich erwartet.

Aber von Anfang an.
Wir müssen leise sein, als wir ins Haus gehen. An den Wänden, an der Decke, einfach überall hängen Fotos und Texte, Verse aus der Bibel, wie ich bald feststelle. Wir gehen in die Küche, in die ich am liebsten sofort einziehen würde. Ein großer Raum mit einem großen Tisch und Stühlen, die nicht zusammen passen, und einer Bank. Auch hier überall Fotos, Collagen und Bibelverse. Ich denke Oha, darf mich aber schamlos umschauen. S. kocht Tee und verbietet mir, irgendwas zu tun. Also setze ich mich auf die Bank und schaue mich weiter um. Ich bemerke Kinderspielzeug auf der Fensterbank und eine Schranktür, die mit lauter Zettelchen vollgeklebt ist. Mama würde hier drin wohl verrückt werden, denke ich, aber ich könnte mir keinen anderen Ort vorstellen, an dem ich jetzt lieber wäre. S. schneidet Kuchen, stellt Teller und Tassen und die Teekanne auf ein Tablett. Dann gehen wir in sein Zimmer, womit ich nicht gerechnet hätte.
Auch hier könnte ich wohl länger bleiben. Es ist so anders, als mein Möbelhauszuhause, so persönlich.
Und persönlich trifft auch das Gespräch, das wir dann führe, sehr gut. Es gibt wenige Menschen, zu denen ich sofort so "tiefes" Vertrauen fasse. Irgendwie fällt es mir nicht schwer, mit S. über sehr persönliche Dinge zu reden, Dinge, die 'gegen mich verwendet werden können'. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns bisher eigentlich nicht kannten, sondern nur 'gesehen' haben. Da war bisher einfach eine ziemliche Distanz, die Distanz, die man zu jedem hat, den man nicht kennt und der irgendwie vollkommen anders ist als alle, die man bisher gekannt hat.
Teilweise möchte ich aufstehen und ein kleines bisschen freudentanzen, manchmal will ich allerdings nur heulen. Ich bin total energiegeladen aber auch ausgepowert. Das kann man sowohl der späten frühen Uhrzeit und dem Koffein als auch den Gesprächsthemen zuschreiben. Aber irgendwie bin ich zufrieden und neugierig, fühle mich einfach wohl.
Ich hätte noch ewig auf dem Sofa sitzen bleiben können, wenn ich nicht zur Theaterprobe gemuss hätte.
Am Ende blieb mir nur ein Danke und eine Umarmung. Und ich wär gern noch geblieben.

5.6.11 09:51, kommentieren

"Ich glaube, es gibt Menschen, die unglücklich sind, unheilbar, bloß weil sie sind." (G. Büchner - Leonce und Lena)

Es ist traurig, wenn ein Mensch diese Worte wählt, um seine eigene Gefühlswelt zu beschreiben. Oder ist es traurig, wenn er diese Worte wählen muss?

"Steh auf in deinem weißen Kleide und wandle hinter der Leiche durch die Nacht und singe ihr das Totenlied."

Zu viel! Zu viel!

Ja, da ist zu viel. Zu viel Gefühl, zu viel Schmerz, zu viel Angst. Es zerbricht etwas in mir, wenn ich die stärksten Menschen, die ich kenne, weinen sehe. Immer und immer wieder. Eine einzelne Träne nur, sie sei dir erlaubt, wie viele weitere, wenn dir danach ist. Und dir? Schüttelnde Schluchzer, viele, viele. Viel zu wenige, um deine wahren Gefühle auszudrücken, ich weiß. Ich liebe es, wenn du lachst. Und ich liebe es auch, wenn du lachst. Ihr tut es nur viel zu selten. Und jetzt noch weniger.
Da ist Trauer in euren Herzen, die tiefste Trauer, die aufrichtigste und die ehrlichste, die ich je gesehen habe.

Und ich, meine Helden? Ich verstecke meine Tränen, ersticke meine Seufzer. Ich suche das Leben, den Abstand vom Tod. Aber ich weiß, wenn ich das Leben finde, finde ich den Tod. Am Ende einer Liebe muss immer der Schmerz stehen. Ein unumgängliches Spiel. Ich suche die Geborgenheit, die mir niemand geben kann. Ich suche ein Zuhause, weil ich meins an ein Tal der Tränen verloren habe.


"Trösten Sie sich. Wenn Sie auch nicht heut Nacht unter dem Rasen schlafen, so schlafen Sie wenigstens darauf."

9.5.11 18:10, kommentieren

Ich lese dich
ich lese von dir
ich lese über dich
ich lese deinen blog
ich lese lang vergessene worte
lese lang vergessene gefühle
lang vergessene gemeinsamkeiten
vergessene freundschaft

ich sehe dich
sehe dich jeden tag
aber irgendwie
gibt es kaum noch etwas zu sagen.

ich weiß
von dir
von früher
von heute

ich weiß
weil ich dabei war
ich weiß
weil ich mir einbilde, dich zu kennen
ich weiß
weil du ehrlich bist, in den vergessenen worten, die ich von dir lese.

ich bin
traurig
darüber,
dass ich nicht weiß
was ist.
ob du mich vergisst
mich vermisst
mich verfluchst
weil du mich überall suchst
vergebens.

vielleicht bist du nicht mehr da
vielleicht suchst du falsch.
vielleicht höre ich deine rufe nicht
weil ich stumm deine worte lese
ohne etwas zu sagen.

vielleicht bin ich nicht mehr da
vielleicht bin ich verschwunden
hinter einer maske aus coolness
die die katastrophen des alltags
die kaputten gefühle
und all die scherben
versteckt.
vielleicht hat die maske auch dich aufgefressen.

ich suche
aber ich finde nicht.
vergebens.
immer wieder
sehe ich nur das schwarze loch
und die fotos an der wand.
von dir und mir
wie wir früher einmal waren
wie wir nicht mehr sind
wie ich wünschte, dass wir noch wären
wie wir nie wieder sein werden.

1 Kommentar 20.4.11 15:38, kommentieren

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