Wimpernschlagmomente

Da war er wieder: Dieser eine Moment. Der Moment, in dem man nichts besonderes tut und auch nichts besonderes getan hat. Aber trotzdem: Dieser eine Augenblick wird zu etwas ganz besonderem. Ich fühle mich frei wie ein Vogel, aber trotzdem fest mit dem Boden verbunden. Unbedeutend wie eine Fliege, und auch mindestens genauso klein, aber die Welt scheint einfach spannender und größer. Ich möchte lachen und tanzen, singen und überall herumschreien, wie toll diese Welt doch ist. Alles wird plötzlich farbenfroh, sogar im tiefsten Winter kann ich mir vorstellen, wie bunt der Sommer sein wird. Auch wenn ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe, kann ich die Stimmen meiner Freunde hören, wie wir zusammen lachten und uns unterhielten. Ich sehe sie alle vor mir, am klarsten die, die ich am meisten vermisse. So erscheint mir die Welt ganz wunderbar, das Leben wie es sein soll. Und dann – einen halben Wimpernschlag später – wird mir schlagartig bewusst, dass die Welt nichts Wunderbares mehr an sich hat. Die Träume sind da, schön aber doch grausam, weil ich weiß, dass sie nie mehr wahr werden. Deswegen dauern diese Momente nur so kurz. Ich kann einfach nicht mitansehen, was ich verloren habe, was gut war, was nie mehr gut wird. In meinem Mund schmecke ich etwas Bitteres, in meinem Magen dieses eine Gefühl, das jeder hat, wenn er etwas sehr wichtiges verloren hat. Etwas wertvolles, einen Schatz, den man nie hergeben wollte. Und trotzdem ist es geschehen.

29.10.10 19:46

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