Schwarztee & Schokokuchen

Freitagnacht um drei bekomme ich eine Einladung zum Tee. Ich bin erstmal baff, sage aber sofort zu.
Dass ich bis Samstagmorgen um halb acht auf diesem Sofa sitzen würde, habe ich da noch nicht geahnt. Und das Gefühl, in diesen vier Stunden einen Bekannten zu einem Freund gemacht zu haben, hatte ich auch nich erwartet.

Aber von Anfang an.
Wir müssen leise sein, als wir ins Haus gehen. An den Wänden, an der Decke, einfach überall hängen Fotos und Texte, Verse aus der Bibel, wie ich bald feststelle. Wir gehen in die Küche, in die ich am liebsten sofort einziehen würde. Ein großer Raum mit einem großen Tisch und Stühlen, die nicht zusammen passen, und einer Bank. Auch hier überall Fotos, Collagen und Bibelverse. Ich denke Oha, darf mich aber schamlos umschauen. S. kocht Tee und verbietet mir, irgendwas zu tun. Also setze ich mich auf die Bank und schaue mich weiter um. Ich bemerke Kinderspielzeug auf der Fensterbank und eine Schranktür, die mit lauter Zettelchen vollgeklebt ist. Mama würde hier drin wohl verrückt werden, denke ich, aber ich könnte mir keinen anderen Ort vorstellen, an dem ich jetzt lieber wäre. S. schneidet Kuchen, stellt Teller und Tassen und die Teekanne auf ein Tablett. Dann gehen wir in sein Zimmer, womit ich nicht gerechnet hätte.
Auch hier könnte ich wohl länger bleiben. Es ist so anders, als mein Möbelhauszuhause, so persönlich.
Und persönlich trifft auch das Gespräch, das wir dann führe, sehr gut. Es gibt wenige Menschen, zu denen ich sofort so "tiefes" Vertrauen fasse. Irgendwie fällt es mir nicht schwer, mit S. über sehr persönliche Dinge zu reden, Dinge, die 'gegen mich verwendet werden können'. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns bisher eigentlich nicht kannten, sondern nur 'gesehen' haben. Da war bisher einfach eine ziemliche Distanz, die Distanz, die man zu jedem hat, den man nicht kennt und der irgendwie vollkommen anders ist als alle, die man bisher gekannt hat.
Teilweise möchte ich aufstehen und ein kleines bisschen freudentanzen, manchmal will ich allerdings nur heulen. Ich bin total energiegeladen aber auch ausgepowert. Das kann man sowohl der späten frühen Uhrzeit und dem Koffein als auch den Gesprächsthemen zuschreiben. Aber irgendwie bin ich zufrieden und neugierig, fühle mich einfach wohl.
Ich hätte noch ewig auf dem Sofa sitzen bleiben können, wenn ich nicht zur Theaterprobe gemuss hätte.
Am Ende blieb mir nur ein Danke und eine Umarmung. Und ich wär gern noch geblieben.

5.6.11 09:51

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